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Autor
Klupp, Thomas

Wie ich fälschte, log und Gutes tat

Untertitel
Roman
Beschreibung

Weiden in der Oberpfalz. Hier besucht Benedikt Jäger, der 14 Jahre alte Protagonist, das Gymnasium, spielt Tennis, macht mit seinen Freunden Vince und Prechtl Plakatwerbung für ein drogenfreies Leben – „Geh ans Limit! Ohne Speed!“ –, fungiert im väterlichen Anwesen bei gesellschaftlichen Ereignissen als Stütze seiner Mutter und sehnt sich nach dem ersten Sex. Und nein, wir haben es nicht mit einem Coming-of-age-Roman zu tun, zum Glück, sondern mit etwas ganz anderem: Mit der Frage, wie man, wenn es ein richtiges Leben im Falschen schon nicht gibt, sein Leben im Falschen einrichten soll.
(ausführliche Besprechung unten)

Verlag
Berlin Verlag, 2018
Format
Gebunden
Seiten
253 Seiten
ISBN/EAN
9783827013668
Preis
20,00 EUR

Zur Autorin/Zum Autor:

Thomas Klupp wurde 1977 in Erlangen geboren, war Mitherausgeber der Literaturzeitschrift BELLA triste und lehrt als Dozent am Literaturinstitut der Universität Hildesheim. Sein von der Kritik gefeiertes Romandebüt »Paradiso« wurde mit dem Nicolas-Born-Förderpreis und dem Rauriser Literaturpreis ausgezeichnet. Er war Stipendiat beim 10. Klagenfurter Literaturkurs und erhielt 2011 den Publikumspreis beim Bachmann-Wettbewerb. Thomas Klupp lebt und arbeitet in Hildesheim und Berlin.

Zum Buch:

Es fängt an mit einer Ballonfahrt, der Belohnung des Sportlehrers für seine siegreiche Tennismannschaft, die der ganzen Sache wegen des dichten Nebels aber eher skeptisch gegenübersteht. Doch als dann der Ballon abhebt, nach oben steigt, der Nebel aufreißt, schauen die Jungs im gleißenden Sonnenlicht unter strahlend blauem Himmel gebannt runter auf Weiden in der Oberpfalz, dem Ort, in dem sie leben, lieben und leiden.

Hier besucht auch Benedikt Jäger, der 14 Jahre alte Protagonist, das Gymnasium, spielt Tennis, macht mit seinen Freunden Vince und Prechtl Plakatwerbung für ein drogenfreies Leben – „Geh ans Limit! Ohne Speed!“ –, fungiert im väterlichen Anwesen bei gesellschaftlichen Ereignissen als Stütze seiner Mutter und sehnt sich nach dem ersten Sex. Und nein, wir haben es nicht mit einem Coming-of-age-Roman zu tun, zum Glück, sondern mit etwas ganz anderem: Mit der Frage, wie man, wenn es ein richtiges Leben im Falschen schon nicht gibt, sein Leben im Falschen einrichten soll. Und das ist ganz schön schwierig. Denn Benedikt ist eben nicht der Musterschüler, für den seine Eltern ihn halten, und er führt keineswegs ein drogenfreies Leben. Und damit fängt der Stress auch schon an. Fälschen, das geht ja noch, das „kriegt jeder Depp auf die Reihe, der einen Stift halten kann“, viel schwieriger zu bewältigen ist das „Drumherum“, sprich die unzähligen Lügen, die nun einmal dazu gehören und die ständige Wachsamkeit erfordern. Denn immer wieder drohen Gefahren, vor allem durch die Erwachsenen, die zwar nicht unbedingt im Gutes tun, aber zweifellos im Fälschen und Lügen die wahren Meister sind. Sie werfen Benedikt und seinen Kumpels immer wieder Steine in den Weg, weil sie etwa die Schule unbedingt ins Exzellenzprogramm schubsen wollen (und dazu natürlich ein bisschen fälschen und lügen, sprich: die Standards senken müssen), was wiederum bedeutet, dass die bewährten Fälschungsmethoden der Schüler (Unterschriften der Eltern, sich ins Schulportal hacken usw.) nicht mehr klappen und sie sich anderswo, etwa bei Crystal Mäx, dem König der Weidener Unterwelt, Hilfe holen oder auch schon mal bei dem verhasstesten Lehrer der Schule einbrechen müssen.

Vier Monate lang begleiten wir Benedikt durch eine Umwelt, in der buchstäblich alle Erwachsenen lügen, fälschen und (manche auch) Gutes tun, angefangen beim Vater, dem Arzt, der das Finanzamt betrügt, über die Mutter, die ihre bäuerliche Herkunft verleugnet, bis zur Schuldirektorin, die die Aufnahme in das Exzellenzprogramm mit allen nur denkbaren Tricks und Schweinereien durchsetzt. Sie alle leben ein Fake life, nur dass sie es im Unterschied zu Benedikt und seinen Freunden nicht wissen. Wie ich fälschte, log und Gutes tat zeigt zeigt in rasantem Tempo, einer schnoddrigen, aber sich nie anbiedernden Sprache, so saukomisch wie bitterböse die Versuche pubertierender Jungs, sich in diesem Fake life zurechtzufinden – und dabei trotzdem Gutes zu tun. Ausgesprochen empfehlenswert!

Irmgard Hölscher, Frankfurt am Main