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Ein Bild von Lydia

Autor
Hartmann, Lukas

Ein Bild von Lydia

Untertitel
Roman
Beschreibung

Luise, in Bergamo geboren, muss nach dem Tod ihres Vaters die geliebte Heimat verlassen. Nach einem beschwerlichen Fußmarsch über die Schweizer Berge, findet sie mit Mutter und Geschwistern bei Verwandten in der Nähe von Zürich notgedrungen eine neue Bleibe. Fast noch ein Kind, muss Luise schon zum Unterhalt für die Familie beitragen. Zunächst im Pfarrhaus, dann bei der Familie Welti.

Lukas Hartmann zeichnet in seinem Roman ein außergewöhnlich feines gesellschaftliches Seelenporträt jener Zeit. Ein Buch, das einen auch wegen seiner Sprache von Anfang an gefangen hält. Besonders empfehlenswert!
(ausführliche Besprechung unten)

Verlag
Diogenes Verlag, 2018
Seiten
368
Format
Gebunden
ISBN/EAN
978-3-257-07012-5
Preis
24,00 EUR
Status
lieferbar

Zur Autorin / Zum Autor:

Lukas Hartmann, geboren 1944 in Bern, studierte Germanistik und Psychologie. Er war Lehrer, Journalist und Medienberater. Heute lebt er als freier Schriftsteller in Spiegel bei Bern und schreibt Bücher für Erwachsene und für Kinder. Er ist einer der bekanntesten Autoren der Schweiz und steht mit seinen Romanen regelmäßig auf der Bestsellerliste.

Zum Buch:

Luise, in Bergamo geboren, muss nach dem Tod ihres Vaters die geliebte Heimat verlassen. Nach einem beschwerlichen Fußmarsch über die Schweizer Berge, findet sie mit Mutter und Geschwistern bei Verwandten in der Nähe von Zürich notgedrungen eine neue Bleibe. Fast noch ein Kind, muss Luise schon zum Unterhalt für die Familie beitragen. Zunächst im Pfarrhaus, dann bei der Familie Welti. Hier beginnt diese wundervoll und federleicht erzählte Geschichte, die dem Leser aus der Sicht Luises geschildert wird.

Lydia Welti, geborene Escher, ist eine kunstbegeisterte junge Frau, auch reich genug, um sich ganz und gar auf diese Leidenschaft einzulassen. Die Ehe mit dem bürokratischen Ehemann ist kinderlos. Häufig zu Gast im Hause Welti ist der Maler und spätere Bildhauer Karl Stauffer, der sie malen soll. Er ist ein Jugendfreund ihres Ehemannes, vom Charakter und Lebensstil jedoch vollkommen anders – ein Künstler eben. Zu dritt erleben sie angeregte Stunden im herrschaftlichen Anwesen der Weltis.

Früh schon spürt Luise, die Kammerzofe, wie sie sich gerne selber nennt, ein Unbehagen in der Nähe von Stauffer. Da sie für die persönlichen Belange von Lydia überwiegend zuständig ist, bleibt ihr die Wirkung des Mannes auf ihre Herrin nicht verborgen. In seiner Nähe lebt Lydia auf. Muss er abreisen, wirkt sie niedergeschlagen. Nur der rege Briefwechsel mit Stauffer kann sie dann noch aus ihrer Melancholie reißen. Oder ist es schon der Herzschmerz einer unglücklich verliebten Frau?

Mehr Nähe zur Kunst soll Heilung bringen und neue Energien freisetzen. Lydia und ihr Ehemann beschließen, sich in Florenz niederzulassen. Stauffer ist bereits vor Ort, um alles vorzubereiten. Es kommt anders. Luise muss miterleben, wie ihre Dienstherrin nach einer gemeinsamen Nacht mit Stauffer Hals über Kopf mit ihm nach Rom flieht. Ein unverzeihliches Wagnis in jener Zeit, ein gesellschaftlicher Skandal! Danach überschlagen sich die Ereignisse. Die beiden Liebenden werden gewaltsam getrennt. Stauffer landet wegen angeblicher Veruntreuung im Gefängnis, Lydia in einer psychiatrischen Klinik. Es folgt die Scheidung.

Ende des 19. Jahrhunderts sind die Rechte der Ehefrauen noch sehr beschränkt, die männlichen Seilschaften bestens organisiert. Obwohl Lydia das Geld mit in die Ehe gebracht hatte, verliert sie nach der Scheidung vier Fünftel ihres Vermögens an ihren Ehemann.

Luise, inzwischen mehr Vertraute als Kammerzofe, lässt sie nicht im Stich. Durchleidet all ihre nachfolgenden seelischen Tiefen und versucht verzweifelt, Lydias Gefühle zu erahnen, zu verstehen, um im rechten Moment das Richtige tun oder sagen zu können. Die beiden Frauen verbindet trotz unüberwindlicher gesellschaftlicher Schranken bis zum tragischen Ende eine tiefe Zuneigung.

Dieser Roman beruht auf Tatsachen. Die „unpassende“ Liebe zwischen der reichen und verheirateten Lydia Welti-Escher und dem Maler Karl Stauffer-Bern war ein Skandal in der Belle Epoque und endete für beide tödlich. Lukas Hartmann zeichnet in seinem Roman ein außergewöhnlich feines gesellschaftliches Seelenporträt jener Zeit. Ein Buch, das einen auch wegen seiner Sprache von Anfang an gefangen hält. Besonders empfehlenswert!

Brigitte Hort, Eitorf