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Afghanistan. Fotografien

Autor
McCurry, Steve

Afghanistan. Fotografien

Beschreibung

Nicht allein das berühmte Foto des afghanischen Mädchens mit den grünen Augen macht den Bildband des US-amerikanischen Fotografen Steve McCurry so besonders. Es sind vielmehr die zahlreichen Aufnahmen des Alltäglichen, die den Betrachter nachhaltig berühren; Aufnahmen des alltäglichen Leids, aber vor allem auch solche, die vom Aufbegehren und einer Rückkehr zur Normalität zeugen.
(ausführliche Besprechungen unten)

Verlag
Taschen Verlag, 2017
Seiten
256
Format
Gebunden
ISBN/EAN
978-3-8365-6936-1
Preis
60,00 EUR
Status
lieferbar

Zur Autorin / Zum Autor:

Steve McCurry, geboren 1950 in Philadelphia, Pennsylvania, studierte an der Pennsylvania University Film und Geschichte. Nach seinem Abschluss arbeitete er zunächst für zwei Jahre für eine lokale Zeitung, bevor er als freiberuflicher Fotograf nach Indien ging. Internationale Bekanntheit erlangte er durch seine Dokumentation.

Zum Buch:

Das Porträt der fünfzehnjährigen Sharbat Gula, des afghanischen Mädchens mit dem roten Kopftuch und den intensiv grün leuchtenden Augen, ist wohl mit Abstand Steve McCurrys bekanntestes Foto. Es gelang ihm 1984 im pakistanischen Flüchtlingslager Nasir Bagh in Peshawar und kam ein Jahr später auf die Titelseite von National Geographic. McCurry hat Afghanistan in den letzten vierzig Jahren wiederholt besucht und nun einen Bildband vorgelegt, der zum ersten Mal seine Aufnahmen aus dieser Zeit vereint. Fotos wie das des jungen Mannes, der auf dem Kofferraumdeckel eines von Kugeln durchlöcherten Pkw seine Orangen feilbietet. Oder das, auf dem sich inmitten einer völlig zerstörten Stadt ein Mann auf zwei Krücken eine verlassene Straße hinaufquält. Dann die Aufnahme eines vielleicht Zwölfjährigen, der angestrengt ernst in die Kamera blickt, während er die Holzattrappe einer AK 47 schultert. Eine weitere Aufnahme zeigt ein Mädchen, das sich vor Kälte die Hände reibt. Sie steht an einer verlassenen Wegkreuzung und verkauft Luftballons. Genau 10 Luftballons. Bewegend ist auch das Bild eines bärtigen Grubenarbeiters mit in den Nacken geschobenem Helm und geschwärztem Gesicht, der eine selbstgedrehte Zigarette raucht und mit müden Augen in die Kamera blickt. Das Foto, das mich am meisten berührt hat, entstand 1992 in der Psychiatrischen-Anstalt von Kabul. Es zeigt einen Mann im Vordergrund, der auf dem nackten Boden in einem von Mauern umgebenen Hof auf den Fersen hockt. Weit vornübergebeugt, vergräbt er das Gesicht in den Falten seines löchrigen Umhangs, während im Hintergrund drei weitere Männer hocken, deren Gemütszustand die erlebten Schrecken ebenfalls nur erahnen lassen.

Steve McCurry lässt mit seinen Bildern tief in die Seele eines zerstörten Landes blicken, in dem mittlerweile Generationen nichts anderes kennen als Krieg und das daraus resultierende Leid. Er zeigt aber auch jene bunten Flecken, die hier und dort zu finden sind und die vom Aufbegehren eines „normalen“ Lebens zeugen.

Axel Vits, Der andere Buchladen, Köln