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Nachrichten aus dem gelobten Land

Autor
Sakheim, Anuta

Nachrichten aus dem gelobten Land

Untertitel
Die Briefe der Anuta Sakheim. Herausgegeben von Katharina Pennoyerund der Initiative 9. November
Beschreibung

Im Frühjahr 1933 flieht eine junge Witwe mit ihrem 10-jährigen Sohn von Berlin über Triest und Jaffa nach Tel Aviv. Dort kauft sie von ihrem letzten Geld ein Auto und eine Fahrerlizenz: Anuta Sakheim wird die erste Taxifahrerin in Palästina. 1938 muss sie eine weitere, schwere Entscheidung treffen: Sie hat Krebs und schickt deshalb ihren Sohn Ruben zu ihrer Schwägerin nach New York. Ihre Briefe an Ruben, den sie nie wiedersehen wird, sind von großer Hingabe und Zärtlichkeit. Darüber hinaus aber sind sie ein außergewöhnliches, bewegendes Zeitzeugnis, geschrieben aus einem politisch tief zerrissenen Land.
(ausführliche Besprechung unten)

Verlag
Weissbooks, 2017
Seiten
96
Format
Gebunden
ISBN/EAN
978-3-86337-122-7
Preis
14,00 EUR
Status
lieferbar

Zum Buch:

Im Frühjahr 1933 flieht eine junge Witwe mit ihrem 10-jährigen Sohn von Berlin über Triest und Jaffa nach Tel Aviv. Dort kauft sie von ihrem letzten Geld ein Auto und eine Fahrerlizenz: Anuta Sakheim wird die erste Taxifahrerin in Palästina. 1938 muss sie eine weitere, schwere Entscheidung treffen: Sie hat Krebs und schickt deshalb ihren Sohn Ruben zu ihrer Schwägerin nach New York. Ihre Briefe an Ruben, den sie nie wiedersehen wird, sind von großer Hingabe und Zärtlichkeit. Darüber hinaus aber sind sie ein außergewöhnliches, bewegendes Zeitzeugnis, geschrieben aus einem politisch tief zerrissenen Land.

Als Anuta Sakheim beschließt, ihren Sohn nach Amerika zu Jeanette Sakheim zu schicken, ist die politische Situation in Palästina schon längst eskaliert. 1936 gipfeln die gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Arabern und Juden in der größten arabischen Revolte der britischen Mandatszeit. Überfälle, Hinterhalte auf Straßen, Brückensprengungen und Brandanschläge sind an der Tagesordnung. 1939 wird die Zahl der Einwanderer trotz der Judenverfolgung in Deutschland auf 15.000 Personen im Jahr begrenzt. Am Hafen von Tel Aviv erlebt Anuta Sakheim das Schicksal der Flüchtlinge hautnah mit: Verwandte, die sich in die Arme fallen, Kinder ohne Eltern, auf die im gelobten Land niemand wartet, Menschen, die zurückgeschickt werden in ein Land, das ihren Tod minutiös geplant hat. Von all dem berichtet sie dem Sohn in ihren Briefen, auch von den Kämpfen in Jerusalem und Jaffa: „Tote – Tote – Minen – Verwundete.“ Immer wieder entschuldigt sich die Mutter dafür, dass sie knapp bei Kasse ist und deshalb nicht zu ihm kommen kann. Doch niemals spricht sie zu ihm von ihrer Krankheit und von dem großen Kummer, den es ihr bereitet, dass er so weit fort ist.

Anuta Sakheims Sohn nimmt 1944 als George Sakheim an der Landung der Alliierten in der Normandie teil. 1945 bewirbt er sich freiwillig als deutschsprachiger Übersetzer für die Nürnberger Prozesse und kehrt erst 1946 in die USA zurück. Zu diesem Zeitpunkt lebt seine Mutter schon seit sieben Jahren nicht mehr. 1939 hat der Sohn seinen letzten Brief an die Mutter mit dem Vermerk „Deceased“ – verstorben – zurückerhalten.

Susanne Rikl, München