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Die Orient-Mission des Leutnant Stern

Autor
Hein, Jakob

Die Orient-Mission des Leutnant Stern

Untertitel
Roman
Beschreibung

Eine Gruppe muslimischer Kriegsgefangener, die, im Auftrag der preußischen Heeresleitung als Zirkusartisten getarnt, 1914 von Berlin nach Konstantinopel reisen, um dort den Djihad auszurufen – die Geschichte klingt ebenso unglaubwürdig wie skurril. Und dennoch ist nichts davon erfunden. Ein Glanzstück aus der Feder Jakob Heins.
(ausführliche Besprechung unten)

Verlag
Galiani Berlin, 2018
Seiten
256
Format
Gebunden
ISBN/EAN
978-3-86971-172-0
Preis
18,00 EUR
Status
lieferbar

Zur Autorin / Zum Autor:

Jakob Hein, geboren 1971 in Leipzig, lebt seit 1972 mit seiner Familie in Berlin. Er arbeitet als Psychiater. Seit 1998 Mitglied der »Reformbühne Heim und Welt«. Er hat inzwischen 14 Bücher veröffentlicht, darunter Mein erstes T-Shirt (2001), Herr Jensen steigt aus (2006), Wurst und Wahn (2011) und zuletzt Kaltes Wasser (2016).

Zum Buch:

Belgien, Juli 1914. Noch scheint für Edgar Stern die Welt in Ordnung zu sein, der gemeinsam mit seiner Verlobten und auf Einladung des Generalkonsuls seine Ferien im beschaulichen Badeort Coxyde verbringt. Die französischen Austern sind frisch, die holländischen Zigarren schmecken ausgezeichnet, und überhaupt lassen diese neumodischen Umkleidekabinen am Strand nichts zu wünschen übrig.

Aber wie so viele andere auch, muss Stern nur wenige Tage später abrupt das Land verlassen und findet sich bald darauf als Leutnant des 1. Westfälischen Pionier-Bataillons wieder, das am westlichen Rheinufer das Ende des Krieges abwartet. Denn dass dieser Krieg kaum mehr als ein paar Monate dauern wird, bevor man sich wieder den Annehmlichkeiten des Lebens würde zuwenden können, davon ist auszugehen. Es kommt jedoch anders, und da der junge, begabte Leutnant Stern sich langweilt, beschließt er, einen Plan auszuarbeiten, der den Krieg gegen die Engländer im Handumdrehen beenden würde – indem man ganz einfach den Suezkanal sprengt.

Völlig wider Erwartung wird dieser irrwitzige Plan von der preußischen Heeresleitung angenommen und kommt nur deshalb nicht zustande, weil man ein anderes, noch verwegeneres Projekt ins Auge gefasst hat: den Djihad. 300 Millionen Muslime aus jedem Winkel der Welt sollen sich für ihre Befreiung erheben und den Panislamismus ausrufen. Um dem befreundeten türkischen Sultan die Sache schmackhaft zu machen, werden 14 Kriegsgefangene als Zirkusartisten verkleidet mit dem Zug von Berlin nach Konstantinopel gebracht und dort freigelassen.
Und ausgerechnet Leutnant Stern wird für dieses Himmelfahrtskommando ausgesucht.

Jakob Heins jüngster Roman ist rundum ein Lesegenuss. Seine schnörkellose und dennoch elegante, weil leichtfüßig und auffällig flüssige, Sprache ist hervorragend geeignet für diese Geschichte, die, wäre sie erfunden, als ganz nett – aber dennoch als etwas abstrus zu bezeichnen wäre. Doch da man sich bei der Lektüre wiederholt vor Augen führen muss, dass nichts davon erdacht worden ist, sondern alles in allen Einzelheiten der Wahrheit entspricht, wird die Sache zu einem Leuchtfeuer am Himmel der unterhaltsamen Literatur.

Axel Vits, Der andere Buchladen, Köln