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Der Tag, an dem ein Mann vom Berg Amar kam

Autor
Ekinci, Yavuz

Der Tag, an dem ein Mann vom Berg Amar kam

Untertitel
Roman. Aus dem Türkischen von Oliver Kontny
Beschreibung

Seit sich ihre Vorfahren im Walnusstal am Fuß des Berges Amar niedergelassen haben, leben die Menschen dort in Angst: der Angst, dass der Berg einst überwunden werden könnte; der Angst, gefunden, vertrieben oder ausgelöscht zu werden; der Angst, dass das jetzige Leben ein wie auch immer geartetes Ende finden wird. Und dann sieht einer von ihnen tatsächlich den Mann, der vom Berg Amar her ins Dorf gelaufen kommt.
(ausführliche Besprechung unten)

Verlag
Verlag Antje Kunstmann, 2017
Seiten
192
Format
Gebunden
ISBN/EAN
978-3-95614-166-9
Preis
18,00 EUR
Status
lieferbar

Zur Autorin / Zum Autor:

Yavuz Ekinci, 1979 in Batman/Türkei geboren, beschäftigt sich in seinem literarischen Werk mit dem Leben der Kurden in der Türkei. Nach einem Studium der Erziehungswissenschaft arbeitet er seit 2001 als Lehrer und belegt derzeit einen Masterstudiengang in Türkischer Sprache und Literatur. Er ist Herausgeber einer Publikationsreihe mit kurdischer Exilliteratur.

Ekinci erhielt für seine Veröffentlichungen zahlreiche Preise, darunter den Yunus Nadi Story Award, den Human Rights Association Story Award sowie den Yasar Nabi Nayir Noteworthy Story Award.

Zum Buch:

Seit sich ihre Vorfahren im Walnusstal am Fuß des Berges Amar niedergelassen haben, leben die Menschen dort in Angst: der Angst, dass der Berg einst überwunden werden könnte; der Angst, gefunden, vertrieben oder ausgelöscht zu werden; der Angst, dass das jetzige Leben ein wie auch immer geartetes Ende finden wird. Und dann sieht einer von ihnen tatsächlich den Mann, der vom Berg Amar her ins Dorf gelaufen kommt.

Amar, der Name des Berges, klingt nach Liebe, ist zugleich der Name des jungen Mannes, der vor langer Zeit die Liebe der Königstochter Sara entfachte. Mit ihr floh er auf einem gestohlenen Rappen hinter den Bergrücken, der sie beide vor dem Zugriff des mächtigen Vaters schützen sollte. Der sterbende Älteste des Dorfes erinnert sich in seinen letzten Tagen an die Geschichte des Paares, an die ersten Bewohner des Walnusstales. Um den Alten herum ist alles in hellster Aufregung. Die Kinder verstecken den Fernseher und ihre Spielzeuge in einer nahe gelegenen Höhle, Eyüp will mit den Steinhühnern im Käfig auf und davon, um die Tiere zu retten, Peyruze möchte noch einmal ihre liebste Sure lesen, Cemal und Havva lieben sich in der Nacht, bevor sie kommen.

Man kann diesen Roman vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Ereignisse in der Türkei lesen – Yavuz Ekinci ist kurdischer Abstammung. Man kann ihn – weiter gefasst – lesen als die Geschichte der in allen Jahrhunderten der Menschheit geschehenen Verfolgungen und Vernichtungen gleich welcher Religionen, Nationalitäten, Geschlechtern oder so genannter Rassen. Hinter den Bildern der Natur, des volkstümlich Märchenhaften, des Alltagslebens aus dem Dorf aber steht letzten Endes eine großartige Parabel in der Tradition Lessings: die Parabel auf die menschliche Sehnsucht nach Liebe, Toleranz und Weisheit und die existentielle Gefährdung dieser Lebensgrundlagen durch niemand anders als den Menschen selbst.

Susanne Rikl, München